Kreuzkapelle
Wallfahrtsgeschichte
Der Verwalter der in österreichischem Besitz befindlichen Reichsgrafschaft Falkenstein, Oberamtmann Baron von Langen, stiftete 1728 auf dem Kreuzberg eine 30 Schuh lange und 16 Schuh breite Kapelle, beschaffte einen Kreuzpartikel und erwirkte in Rom einen vollkommenen Ablass für alle, die an den Festen Kreuzauffindung (3.5.) und Kreuzerhöhung (14.9.) in einer Prozession zur Kapelle gingen und dort einer Messe beiwohnten. Den mit Linden bepflanzten Pilgerweg säumten einst Kreuzwegstationen. Die Kapelle versorgte ein Eremit, dessen Behausung gegen 1742 der Kapelle angefügt wurde. Seit 1757/58 lebte der Franziskanerbruder Franz Lück (gestorben 1793) auf dem Berg und führte als dritten Wallfahrtstag das Fest des populären Schutzpatrons des Hausviehs St. Wendelin (20.10.) ein. Als der Wahlfahrtsstrom sich verstärkte, erbaute Lück mit Unterstützung der Kaiserin Maria Theresia und durch Spenden 1760-64 die jetzt noch bestehende Kapelle mit der Klausnerwohnung. Das Bauholz wurde ihm kostenlos aus den herrschaftlichen Wäldern zur Verfügung gestellt. 1765 genehmigte das Bischöfliche Vikariat in Worms Beisetzungen im Kirchenraum. Interessenten mussten schon zu Lebzeiten einen Geldbetrag für die nicht dotierte Kapelle zur Gewährung des Privilegs bezahlen. Vor allem katholische Beamte der österreichischen Verwaltung ließen sich auf dem Berg beisetzen. Sie durften nach der Wormser Vorschrift nur in einer gemauerten und gewölbten Gruft ruhen. Kaiser Franz Joseph stiftete für die Kapelle ein golddurchwirktes, grünsamtenes Messgewand, Kaiserin Maria Theresia einen Rauchmantel, der den Gebräuchen des 18. Jhd. entsprechend aus einem Damengewand umgenäht worden war. 1840 fügte man der Kapelle einen Kirchturm an, der den bisherigen Dachreiter ersetzte. Den nunmehr bayerisch gewordenen Untertanen spendete der österreichische Kaiser für die Renovierung der Kapelle 480 Gulden. Die jüngste Generalsanierung erfolgte 1997.
Ausstattung
Die Chorwand der flachgedeckten Kirche schmückt
seit der Renovierung auf blauem Strahlenkranz ein barockes Kruzifix. Im Stipes
des Hochaltares ist eine bäuerliche Abendmahlsdarstellung des 18. Jhd. eingelassen.
Das Stifterwappen des Barons von Langen ist seitlich des Altarraums in die
Wand der vergrößerten Kirche nachträglich eingelassen worden. Anstelle des
Seitenaltares auf der Evangelienseite ist unter einem von Leopold Haffner geschaffenen
Baldachin ein Vesperbild des 16. Jhd. aufgestellt. Es vertritt den Typus des
diagonal gelagerten, nach vorn gedrehten Körpers und zurück geworfenen Kopfes
Christi. Gegenüber bekrönt den einstigen Hochalter mit Tabernakel (jetzt Seitenaltar)
eine angeblich aus Österreich stammende barocke Wendelinusfigur.
In einer Heiliggrabnische in der Südwand des Langhauses wird die Figur eines
barocken liegenden Christus gezeigt, der wohl einst der 1780 durch Kaiser Franz
Joseph aufgelösten "Todenangst-Christi-Bruderschaft des am Kreuz sterbenden
Heilands" gehörte, ebenso die im Inventarverzeichnis der Kapelle von 1754 aufgeführten
fünf silbernen Tafeln mit den Wundmalen Christi auf rotem Untergrund an der
Emporenbrüstung. Ölbilder mit den Kreuzwegstationen schuf 1890 Franz Krombach
aus München. An der Norwand des Langhauses befindet sich eine Kopie eines Gemäldes
von Rafaello Sanzio (1483-1520), genannt "Die große Heilige Famile Franz I."
von 1518, das sich heute im Louvre in Paris befindet. Das Orginal war ein diplomatisches
Geschenk an den französischen König Franz I., nachdem er nach dem Sieg von
Marignano 1515, der ihn für ein Jahrzehnt zum Herrscher von Mailand und Genua
machte, mit dem Sammeln italienischer Kunstwerke begonnen hatte. Raffaels Gemälde
taucht erstmals 1683 in den Inventaren des Louvre auf und dürfte kurz danach
kopiert worden sein. Dargestellt ist der erste Schritt des Jesuskindes im Beisein
der hl. Familie, der Base Elisabeth mit dem kleinen, ein Kreuz vorweisenden
Johannes dem Täufer, dem nachdenklich zuschauenden hl. Joseph und zwei Engeln,
von denen einer einen Blütenstrauß über das Haupt der Muttergottes hält. Wie
das Bild nach Winnweiler gelangte, ist ungeklärt.